George Town
Auf meiner Asienreise im Jahr 2018 blieb mir für Malaysia nicht viel Zeit. Eigentlich musste ich nach Kuala Lumpur weiterreisen, von wo aus ich ein Rückflugticket nach Tschechien hatte. Und so plante ich mir zumindest einen Besuch von George Town im malaysischen Bundesstaat Penang. George Town ist mit 700.000 Einwohnern im Jahr 2010 die zweitgrößte Stadt Malaysias. In der gesamten Region, die an die Stadt angrenzt, leben bis zu 2,5 Millionen Einwohner. Schon der Name deutet an, dass es sich um eine von den Briten gegründete Stadt handelt, konkret auf Betreiben des britischen Kapitäns Francis Light im Jahr 1786, damit sie als Zolllager diente.
Das Schicksal der Stadt ähnelt dem Schicksal des Staates Myanmar. Zunächst entwickelten sie die Briten, anschließend besetzten sie im Zweiten Weltkrieg die Japaner, und im Verlauf des Krieges eroberten sie die Briten erneut. Im Jahr 1957, nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Malaysias, behielt die Stadt den Status einer zollfreien Zone bis 1967 bei, als ihn die malaysische Regierung aufhob.
In George Town kam ich mit dem Boot von der thailändischen Insel Ko Lipe an. Die Fahrt dauerte etwa 4 Stunden und war im Grunde völlig problemlos. Nach einigen Tagen am Meer und an den Stränden verschiedener Inseln Thailands musste ich mich eine Weile auf die Umgebung eines anderen Landes einstellen. Auch wenn ich laut Karte nur ein kleines Stück weitergefahren war, war es auf einmal eine ziemlich große Veränderung. Von einem touristenüberfüllten Inselchen fand ich mich in einer ehemaligen Kolonialstadt wieder, aus der die britische Geschichte langsam verschwindet, auch wenn sie an den umliegenden verfallenden Gebäuden natürlich noch deutlich zu erkennen ist.
Am meisten lockten mich an diesen Ort wohl zwei Dinge. Die Straßenkunst und das Essen. Gerade für Streetart ist die Stadt berühmt. An etlichen Stellen stieß ich hier an den Wänden der Häuser auf Malereien von Künstlern, die aus dem Zentrum von George Town eine Art Stadtgalerie machen. Einige der Werke stammen von der Hand des litauischen Künstlers Ernest Zacharevic, und die bekanntesten von ihnen fand ich wirklich leicht, denn den größten Teil des Tages versammelt sich um sie herum ein Trupp von Leuten, die sich hier fotografieren. Gleich morgens brach ich also aus dem Hotel auf, schlenderte durch die Stadt und bewunderte die langsam verfallenden Kolonialgebäude, die Streetart und weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt.
Erwähnenswert ist sicher auch der Stadtteil, der ganz auf Pfählen über der Wasseroberfläche errichtet ist. Das Gewirr der Gässchen und Holzhäuschen kam mir fotogen vor, und so ging ich mehrmals zu diesem Ort, im Bemühen, einige interessante Fotografien zu machen. Die armen Häuser über der Wasseroberfläche standen in scharfem Kontrast zur umliegenden Großstadt, und hierher zu gehen war stets eine willkommene Abwechslung nach einigen Stunden, die ich in den belebten Straßen unweit davon verbracht hatte. Der Islam ist eine der Hauptreligionen Malaysias, deshalb stieß ich in der Stadt auch auf einige interessante Moscheen, die die multikulturelle Vielfalt der Architektur der Stadt nur unterstrichen.
Unter britischer Herrschaft kamen in diese Gegenden viele Inder zur Arbeit, und das legte, zusammen mit der Nähe zu Thailand, hervorragende Grundlagen für eine unglaublich vielfältige Küche. Wirklich allein das einheimische Essen wäre ein ausreichender Grund, hierher aufzubrechen. Bewundern kann man interessante Straßenküchen und Stände oder gleich größere Food Courts, wo es so viel unterschiedliches Essen gab, dass mir davon, wie man sagt, der Kopf schwirrte. Wählen konnte ich zwischen malaysischer, indischer, thailändischer oder chinesischer Küche. Eine örtliche Spezialität sind verschiedene Meeresfrüchtegerichte, ein Austernomelett oder das sommerliche Dessert Ais Kacang (Eisgranita mit Kokos, roten Bohnen, buntem Gelee, Mais und süßem Guss).
Ein paar Tage in der Stadt verflogen wie im Wasser, aber ich musste zum Flughafen aufbrechen und die Reise in die Hauptstadt Malaysias fortsetzen - nach Kuala Lumpur. George Town wird für mich eine sehr liebe asiatische Entdeckung bleiben, an die ich mich noch lange erinnern werde.






